Das Wissen, mit dem du deine Essstörung besiegst.

Aktualisiert: 31. Aug 2019

Ich habe vierzehn Jahre lang darauf gewartet, dass ich irgendwann einmal einen Schalter finde, der mich gesund macht. Meditation, Yoga, Hypnose, Theorien über den Buddhismus, diverse Therapieansätze, diverse Ernährungsformen, nichts wollte sich als dieser Schalter zu erkennen geben. Ich weiß gar nicht, wie oft ich dachte, ihn endlich gefunden zu haben. "Das war jetzt mein letzter Anfall! Jetzt habe ich es geschafft!"


Heute kenne ich diesen Schalter. Ich habe ihn gefunden, als ich im letzten Frühjahr den Weg der Recovery eingeschlagen bin, in dieses tiefe, schwarze Loch gesprungen bin und endlich losgelassen habe – in jeglicher Hinsicht. Das Minnesota Starvation Experiment, auf das ich durch Zufall gestoßen war, gab ihn mir zur Hand:


Das Wissen, dass

  • meine Essstörung nicht psychischer, sonder physischer Natur ist.

  • ich nicht verrückt bin, weil ich immer und immer wieder bei meinen Essanfällen lande, egal, was ich dagegen tue.

  • ich für meine körperliche Konstitution unterernährt bin, obwohl ich normalgewichtig bin.

  • mich diese Unterernährung dazu bringt, meinen Magen immer und immer wieder unkontrolliert füllen zu müssen.

  • diese Unterernährung Schuld an allen Symptomen ist, die eine Essstörung beschreiben.

Ich habe bereits von diesem Experiment geschrieben und erwähnt, dass mich dieses Wissen geheilt hat. Aber dass es der Schalter ist, den ich umgelegt habe, um endlich gesund werden zu können und dass ich nur durch ihn den schwierigen Weg der Recovery gehen konnte, wurde mir erst vor wenigen Tagen bewusst.


Eine Freundin, die ich auf ihrem Weg begleitet habe, war in der Quasi-Recovery stecken geblieben. Sie konnte es einfach nicht glauben, dass sie auf ihren Hunger hören darf, der ihr eine tägliche Kalorienzufuhr von bis zu 10.000 Kalorien bescherte. Sie dachte, sie sei anormal, esssüchtig. Ich habe ihr über Monate hinweg gut zugeredet und ihr immer wieder bestätigt, dass es auf diesem Weg normal ist und dass sie ihrem Extremhunger folgen muss. Es fiel ihr unglaublich schwer. Vor einigen Tagen dann gab ich ihr den Tipp, sich noch einmal mit dem Minnesota Starvation Experiment zu befassen.


In diesem Experiment (googele bitte, es gibt bereits sehr viel Information darüber, die ich hier nicht wiederholen möchte) wurden geistig und körperlich völlig gesunde Männer auf Diät gesetzt, indem man ihre Kalorienzufuhr für einige Monate halbierte – sie aßen im Durchschnitt um die 1.500 Kalorien. Die Folge: Sie entwickelten Symptome, die eine Essstörung beschreiben. Diejenigen aber, die in der Genesungsphase, in der sie wieder essen durften, völlig loslassen und bis zu 10.000 Kalorien täglich essen konnten, wurden am schnellsten gesund. Sie stellten in weniger als einem Jahr ihre ursprüngliche körperliche Verfassung wieder her.


Meine Freundin sagte, dass ihr dieses Wissen hilft, nun endlich loslassen zu können. Ich fragte mich, warum ich ihr das nicht schon längst nahebrachte hatte. Immerhin war es ja auch für mich das ausschlaggebende Wissen, um endlich heilen zu können. Ja, ich hatte ihr von meinen Erfahrungen erzählt. Ja, ich hatte ihr auch von dieser Erkenntnis erzählt. Aber heute erst ist mir bewusst, wie wichtig dieses Wissen ist. Genau deshalb schreibe ich diesen Beitrag, auch wenn ich bereits davon geschrieben habe.


Dieses Wissen ist deine Macht!


Dieses Wissen ist dein Schalter.


Du bist geistig gesund. Du bist nicht anormal, weil du unkontrollierte Essanfälle hast. Du bist unterernährt. Und diese Unterernährung kannst du nicht ins Lot bringen, indem du ab morgen über 2.000 Kalorien täglich isst. Du musst loslassen und deinem (Extrem-) Hunger folgen, um dein körperliches und seelisches Defizit auszugleichen – auch wenn das bedeutet, dass du über viele Wochen hinweg täglich 10.000 Kalorien essen musst. Du musst deinem Körper beweisen, dass keine Hungersnot mehr kommen wird. Nie wieder. Dass er dir vertrauen kann und dass du ihm vertraust.


Erst dann wird er alle Reserven loslassen können und deinen Stoffwechsel ankurbeln. Erst dann kannst du bei deinem Wohlfühlgewicht ankommen. Ein Gewicht, dass du problemlos und ohne jegliche Restriktion halten kannst. Aber gehe bitte davon aus, dass du erst einmal mehr zunehmen wirst, um dich dann, wenn du weiter am Ball bleibst, einzupendeln. Mir persönlich war es irgendwann völlig egal, wie viel ich zunehme in meiner Recovery, Hauptsache, ich würde gesund werden. So geht es heute auch meiner Freundin. Und heute weiß ich, dass sie gesund werden wird ... so wie ich es bin.


Ich wünsche dir alle Kraft der Welt. Nimm' diesen Schlüssel in die Hand und öffne damit das Tor, das dir den Weg zu einer erfüllten, gesunden Zukunft freimacht. Es lohnt sich.