Eine Erfolgsgeschichte oder: die Absurdität des Dünnseins.

Ein Beitrag von Ina und Mrs. Anonymous =)


Ihr Lieben,


ich habe heute ein Video auf Youtube veröffentlicht, in dem ich ein ganz, ganz wichtiges Thema mit euch bespreche: den Wunsch, dünn zu sein. Ich werde hier selbst keine großen Worte darüber verlieren, denn das habe ich bereits vor der Kamera getan. Vielmehr möchte ich nun einer ganz wunderbaren Österreicherin, die anonym bleiben möchte, die Plattform geben, einen Beitrag zu diesem Thema zu veröffentlichen. Sie ist, so schreibt sie, genesen. Sie hat den Sprung gewagt, den Weg durchgestanden und ist angekommen. Ihre Worte sind wundervoll. Lest selbst.


"Liebe Ina,


Ich möchte heute ein paar Worte der innigen DANKBARKEIT UND WERTSCHÄTZUNG an dich richten! Auch ich habe eine 15-jährige Zeit mit der ES als meine Begleiterin und Beschützerin hinter mir. Ich hatte keine leichte Kindheit und vor allem die letzten 10 Jahre waren von vielen Schicksalsschlägen und Todesfällen (alle meine wichtigen Bezugspersonen) geprägt.


Alles um mich herum war wackelig, die Menschen “herrschten“ über mich, doch was ich esse, konnte ich großteils selbst bestimmen. Da traute ich mich mit der Zeit NEIN zu sagen, was ich in vielen Bereichen leider nicht konnte. Ich wurde immer dünner und mein geliebtes Essen musste ich mir mit Leistung und Sport verdienen. Ich bekam zunehmend ein Bild von mir, dass ich wertlos sei und keinen Anspruch auf Fülle und Gutes hätte. Für andere tat ich alles, mich selbst versklavte ich. Dünn sein bedeutete für mich NICHT SCHÖN SEIN, wie es bei vielen der Fall ist. Je dünner und knochiger ich wurde, desto hässlicher und unattraktiver wurde ich, DENN ICH HATTE ES NICHT VERDIENT, WEIBLICH, FÜLLIG UND GLÜCKLICH ZU SEIN. Dünn sein war für mich die selbst auferlegte Strafe! Dicksein bedeutete für mich Platz brauchen, Fülle zu haben und annehmen zu dürfen und diesen Raum und diese ERFÜLLUNG hatte ich nicht verdient!


Jahrelang wollte ich nur für andere zunehmen (“Schlecht schaust du aus, nimm' doch mal zu!“) Und erst als ich mir selbst beweisen konnte, dass ich auch mit starkem Untergewicht geliebt, anerkannt und akzeptiert werde (in der Arbeit, vom Partner, Freunden und der Familie) wurde es mir zunehmend egal, wieviel ich wog, ich schämte mich nicht mehr für mein Untergewicht und so begann peux á peux die Selbstliebe. Meinen “sicheren Anker“ der ES konnte ich peux à peux loslassen, da schön langsam Ruhe in mein Leben kehrte.


Nach dem letzten schweren Verlust vor 2 Jahren beschloss ich, endlich den Fokus auf mich zu richten und die gleiche Liebe und Fürsorge an mich zu richten, die ich tagtäglich den anderen (Ehemann, Familie, Freunden) entgegenbringe und entgegenbrachte. Ich beschloss, auf mein Herz zu hören und seinen Signalen zu folgen.


Ich befasste mich mehr und mehr mit mir selbst, mit meiner Geschichte, mit meiner Vergangenheit und mit meinem wahren Wesen. Vor ca. 15 Monaten ließ ich los, ich erfuhr vom Extremen Hunger, der mich über all die Jahre schon begleitet hatte, den ich aber nie zugelassen hatte, weil ich ihn als Fressanfall abstempelte und mich selbst noch nicht so sehr liebte, dass ich mir all das gute Essen ohne Verdienste gönnen konnte.


Ich ging da durch, aß, nahm zu, bekam mehr Selbstbewusstsein, fühlte mich wohler und attraktiver, schrieb Tagebuch, suchte mir Infos und Beiträge (von dir) im Internet, fühlte mich verstanden und wurde immer liebevoller mit mir selbst!


Ich bekomme so viele Komplimente, ich strahle wieder, mein Leben ist so viel heller, bunter und lebenswerter geworden. Mit mir hat sich mein Umfeld verändert. Ich habe vieles losgelassen, was mir nicht gut tat und kann inzwischen zu mir und meinen Bedürfnissen stehen! Ich kann für andere Gutes tun, ohne mich selbst zu vergessen, zu ignorieren und zu leugnen! Mit jedem Kilo mehr bekam ich auch ein Kilo Selbstbewusstsein!


Doch was mir immer bewusster wird ist Folgendes:


Alle wollen dünn sein, als ob es das Wichtigste im Leben ist. Warum? Gibt es nichts anderes, das erstrebenswerter ist? Die meisten haben Angst vor dem Zunehmen, als wenn es ein Ausdruck von Scheitern, Faulheit oder Versagen wäre. Dünnsein, sich “richtig“ ernähren, bewegen, etc. ist der neue Status ... Wir Menschen sind soo intelligente Wesen, entwickeln und erforschen so viel und die simpelsten Dinge verstehen wir nicht: nämlich dass wir eine liebende Einheit mit unserem Körper bilden dürfen, das Vertrauen in ihn, das wir noch als Kind hatten, behalten dürfen und uns nicht von einer Gesellschaft, die uns alle in Kleidergröße 36 anerkennt und drüber “sollten wir an uns arbeiten“, manipulieren lassen!


Herrgott, was ist so toll am dünn sein? GESUNDHEIT UND DEN KÖRPER LIEBEN, in den wir geboren wurden, darum geht es! Ich habe so viele liebe Menschen durch Krankheiten verloren, war es denen wichtig, ob sie schlank oder superschlank waren? Wohl kaum, sie hatten andere Probleme als böses Fearfood oder böse Kalorien! Ja, ich bin auch in die ES gefallen, das “Problem der Gesellschaft“ hat mich von meinen wahren Problemen erfolgreich abgelenkt! Es ist einfach leichter, sich über zu viele aufgenommene Kalorien zu sorgen, als um die tödlichen Krankheiten von nahestehenden Menschen!


Erst als ich den Weg zu mir gefunden hatte, indem ich nicht mehr die vorgegebene asphaltierte Straße der Gesellschaft benutzt habe, sondern querfeldein gegangen bin, gestolpert, gefallen und aufgestanden, umgedreht, anders abgebogen, im Dunkeln voller Angst geirrt, doch am Ende habe ich in mir die Taschenlampe entdeckt, die mir ganz fein und klar MEINEN Weg, Schritt für Schritt geleuchtet hat.


So, lange Rede kurzer Sinn: du, liebe Ina, bist eine WUNDERBARE SEELE, die so vielen herumirrenden Menschen da draußen den Weg erleuchtet! Auch mir hast du viel von meiner Angst genommen und begleitest mich ab und an immer wieder ein Stückchen auf meinem Weg der Recovery. Ich habe mittlerweile einige Kilos zugenommen, habe in letzter Zeit viel Wasser verloren und habe das Gewicht, das ich vor der ES hatte. Es ist sehr schön und ich bin unendlich dankbar, in so einem energiegeladenen, strahlenden Körper leben zu dürfen, DOCH ES MACHT MICH NICHT MEHR AUS! Mir ist egal, wie viel ich wiege, ob ich noch zunehme oder nicht, ich bin einfach nur dankbar, jeden Tag in einem glücklichen Körper erwachen zu können. Am Leben zu sein, endlich zu spüren, was es heißt zu leben und aus ganzem Herzen zu lieben, nicht nur andere, SONDERN MICH SELBST!


Wenn ich anderen einen Tipp geben könnte, wäre es folgender: “Was ist dir lieber: Die perfekte Zahl auf der Waage mit Verzicht und Selbstkasteiung, oder Genuss, Freude und Lebenslust in einem Körper, der sich ohne Regeln frei entfalten kann?“


Bist du jemand anderes, hast du mehr oder weniger Respekt und Liebe verdient, wenn du eine bestimmte Zahl auf der Waage erreicht hast? Was is dir wichtig, an was möchtest du dich zurück erinnern, wenn du einmal im Sterbebett liegst: an den perfekten Bodyverbunden mit Verzicht, unerfüllte Wünschen, Isolation? Oder an all die wunderbaren kulinarischen Genüsse, die spontanen Zeiten mit Herzensmenschen, die Freiheit im Essen und Sein, ...

Es gibt sooooo viel, für dass es sich zu leben lohnt! Das Leben wartet auf dich und dem Leben und der Liebe ist dein BMI egal! Genieße, lache, tanze, weine auch, nimm' an, lass zu, lass los ... alles darf sein! Gib die Kontrolle ab, Kontrolle ist Illusion!


Genieße die gemeinsame Zeit mit deinen Herzensmenschen, niemand weiß, wann die Zeit kommt, um Abschied zu nehmen! Bleib nicht alleine zuhause, nur weil du Angst vor nicht geplantem Essen hast! Du willst wissen, wie Croissants mit Erdnussbutter und Banane oder ein Double Cheeseburger schmecken? Dann gönn dir diesen f...ing Cheeseburger, feiere deine Entscheidung und genieße es! Extremer Hunger macht Angst! Lässt man einmal los, öffnet sich eine schiere Unendlichkeit an Lebensmitteln und man möchte ALLES wieder essen! Und es braucht SEHR VIEL (!), bis Körper, Geist und Seele wirklich satt sind!


Danach jedoch beginnt dein Leben NEU und du bereust KEINE KALORIEN, KEINE BAUCHSCHMERZEN, KEINE EINZIGE TRÄNE! Alles war es wert! Lebenswert!"


Dem habe ich absolut nichts hinzuzufügen! Von Herzen DANKE für diese wahren, wunderbaren Worte, liebe Mrs. Anonymous.