Health At Every Size: Gesund mit dem körpereigenen Wohlfühlgewicht.

Aktualisiert: 31. Mai 2019

Vielleicht hast du schon einmal davon gehört: Health At Every Size. Dabei handelt es sich um eine Bewegung, die ein friedvolles Leben ohne Diäten propagiert und davon ausgeht, dass der Mensch, ungeachtet seines körperlichen Gewichts, gesund sein kann. Ich möchte hier nicht in die Tiefe gehen. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest: im Netz gibt es viele Informationen. Heute möchte ich diese These aus meiner Perspektive beschreiben – so, wie ich generell in diesem Blog alles ausschließlich aus meiner Sichtweise schreiben werde.


Im Laufe meiner langjährigen Therapie stieß ich auf die Set-Point-Theorie, die sagt, dass jeder Mensch ein ganz individuelles Wohlfühlgewicht hat. Ein Gewicht, das im Laufe der Jahreszeiten und sonstiger Einflüsse wie zum Beispiel des weiblichen Zyklus, um die vier bis fünf Kilo pendelt. Isst der Mensch nach seinen körperlichen und seelischen Bedürfnissen, so hält er dieses Gewicht problemlos und ohne jedwede Anstrengung. Health At Every Size sagt für mich genau das aus: Lasse ich endlich das Diät-Verhalten los und konzentriere mich auf das, was mein Bauch (und mein Kopf!) wirklich will, dann wiege ich das, was mein Körper wiegen möchte und was meine Statur hergibt. Ich zum Beispiel war niemals zierlich, nur durch eisernes Hungern hatte ich es in meiner Essstörungskarriere auf einen BMI von 18 geschafft ... und das war absolute Meisterleistung, mehr ging nicht, mein Körper nahm sich durch Anfälle das zurück, was er brauchte: schnelle Energie durch Zucker. Heute bin ich laut BMI kerngesund, bin sozusagen "Mittelwert".


Und hier kommt die Theorie von Health At Every Size wieder ins Spiel. Laut ihr ist es völlig egal, ob der Mensch einen gesunden BMI hat, denn der sagt lediglich aus, wie das Verhältnis von Gewicht zu Größe und Alter ist – genetische Veranlagung spielt hier keine Rolle. Dabei ist es inzwischen Fakt, dass Menschen, die einen "zu hohen" oder einen "zu niedrigen" BMI haben, sich also unter 19 oder über 25 befinden, genau so gesund sein können wie eben jene, die einen BMI zwischen 19 und 25 haben. Was mir bei dieser Theorie wichtig ist: Es ist völlig egal, was ich esse – ob "ungesund" oder "gesund" – ich kann völlig gesund sein und meinen Set Point halten. So hatte ich während meiner zweiten Schwangerschaft, in der ich bereits von meiner Essstörung genesen war, zu 80 Prozent Süßes gegessen. Mein Körper hatte es offensichtlich gebraucht, also hatte ich es ihm auch gegeben. Der Blutzuckertest im letzten Drittel der Schwangerschaft war laut Ärztin dennoch phänomenal, ich war also kerngesund, trotz all' der Kekse, Schokolade und sonstigen süßen Leckereien. Noch dazu nahm ich insgesamt gerade einmal zehn Kilo zu. Mein Körper hatte mir mein Vertrauen in ihn also gedankt, anstatt mich mit einer gehörigen Portion Zunahme zu bestrafen.


Heute Morgen erst erzählte mir eine Freundin, hübsch, immer adrett gekleidet, in meinen Augen völlig normalgewichtig, dass ihr Arzt ihr empfohlen hatte, doch etwas abzunehmen, weil ihr BMI im unteren Übergewicht wäre. Ihre Blutwerte? Absolut in Ordnung, sie also rundum gesund. Ich konnte es nicht fassen. Sie sagte, dass sie schon als Kind eher kompakt und nie so zierlich wie die anderen Mädchen gewesen war und dass sie es nie geschafft hatte, dünner zu werden und eine "Ernährungsumstellung" durchzuhalten. Ich, die eine so lange Diät- und Essstörungskarriere hinter sich hat, wurde wirklich sauer. Da sagt dir ein Mediziner, eine Autoritätsperson, dass du kerngesund bist, aber trotzdem abnehmen sollst. Dass du – ich wiederhole: bei vollständiger Gesundheit – anfangen sollst, deine körperlichen und seelischen Bedürfnisse zu ignorieren. Was das für Folgen hat, wissen die meisten von uns, Männlein wie Weiblein: eine GewichtsZUnahme nach wenigen Monaten. Schließlich schafft es keiner von uns, seinen Körper auf lange Sicht auszutricksen. Der allseits bekannte Jo-Jo-Effekt mit einem von Diät zu Diät immer langsamer werdenden Stoffwechsel streckt uns alle nieder.


Vertrauen wir also auf unseren Körper und nehmen uns so an, wie wir nun einmal von Natur aus gebaut sind, geht es uns gut. Der Weg dahin ist in einer diätgeprägten Welt wie der unsrigen allerdings ein Kampf. Ihn zu gewinnen erfordert jede Menge Mut und Gelassenheit. Dennoch lohnt es sich! Denn wer immer dann isst, wenn er Hunger hat und erst dann aufhört, wenn er restlos befriedigt ist, ist satt. Und wer satt ist, hat die Chance, sich auf sich zu konzentrieren. Das Resultat: Selbstliebe.