Von der Angst zum Vertrauen.

Seien wir ehrlich: Wenn wir genau hinschauen, so lassen wir uns weitestgehend von der Angst lenken. Der Angst, nicht gut genug zu sein. Der Angst, etwas falsch zu machen. Der Angst, alleine gelassen zu werden. Der Angst, nicht geliebt zu sein. Wenn wir verstehen, dass wir diese Angst wählen, weil sie uns schützt, dann sind wir schon einen großen Schritt weiter.


Ob du gerade mitten in der Recovery steckst, kurz bevor stehst oder diesen sehr schwierigen Weg bereits hinter dir hast: Es ist essentiell, dass du dich öffnest und genau hinschaust. Kennst du diese Ängste? Letztlich begegnen sie uns immer und immer wieder. Sie lenken und leiten uns und lassen uns kleiner sein, als wir wirklich sind. Werden sie getriggert, haben wir das Gefühl, gefangen, ohnmächtig zu sein. So, als gäbe es keinen Ausweg aus dieser Misere. Wir hadern, zweifeln, ziehen die Schultern ein, verstecken uns und laufen weg – vor uns, vor der Welt, vor der Freiheit, die wir uns so sehr wünschen.

Zu- anstatt abwenden.

Ich kenne dieses Gefühl. Ich habe es auch heute noch immer wieder. Es erdrückt mich von Zeit zu Zeit. Und das, obwohl ich den Weg der Recovery gegangen und wieder "heil" bin. Die Angst, zu versagen, konnte ich während meinem Weg weitestgehend hinter mir lassen. Ich habe mir selbst bewiesen, dass ich alles schaffen kann, wenn ich nur weitergehe und an mich glaube. Ich habe erkannt, dass ich schon so unfassbar viel geschafft habe und stolz auf mich sein kann. Dennoch holen mich meine Ängste immer wieder ein. Was ich dann tue, ist, mich ihnen zuzuwenden. Manchmal klappt das sofort, manchmal erst nach einem Tag. Eben genau dann, wenn mir bewusst wird, dass ich gerade ferngesteuert bin. Und das dauert manchmal einfach ein wenig – je nach allgemeinem Stresslevel in puncto Alltag, Arbeit und Familie. Dann ziehe ich mich zurück oder gehe alleine mit dem Hund spazieren und verbinde mich innerlich mit mir selbst.

Die Verbindung zu mir herstellen.

Heißt: Ich stelle mir mich als kleines Kind an einem Ort vor, der mir sofort ins Bewusstsein springt. Ich sehe diese kleine Ina dort sitzen, meist zusammengekauert und weinend. Ich gehe auf sie zu, nehme sie in den Arm und frage sie, was passiert ist. Sie erzählt mir sofort, was nicht stimmt.

Meist ist es eine Situation, die ich im Alltag erlebt habe und die mich aus der Bahn geworfen hat, obwohl ich mir selbst sage, dass das ja "gar nicht so schlimm" war. Ich sehe dieses kleine Kind in mir und verstehe sofort, dass diese Situation für sie eben doch schlimm war. Weil sie nicht damit umgehen kann, weil sie noch so klein ist. Weil sie noch nicht reflektieren kann und sie diese Situation vielleicht an etwas erinnert, das sie (also ich) als Kind erlebt hat. Sobald ich weiß, was sie so ängstigt, kann ich ihr die Sicht aus der Erwachsenenperspektive erklären. Ich kann ihr sagen, dass sie nicht alleine ist, dass ich bei ihr bin. Dass sie geliebt wird. Dass sie nichts falsch gemacht hat und wenn doch, dass es in Ordnung ist, Fehler zu machen, wenn man dazu steht und sich entschuldigt. Ich kann ihr die Kraft geben, genau das zu tun, sollte es denn angebracht sein. Ich kann ihr aber auch die Kraft geben, wieder zu lächeln. Ich kann ihr sagen, dass sie ihren Weg gehen wird und dass ich das weiß, weil ich ja nunmal sie bin – nur circa 35 Jahre später. Das klingt alles etwas verrückt, ich gebe es zu. Aber: Es hilft.


Wenn die Verbindung zu dir schwierig ist.

Es kommt vor, dass die Verbindung zum eigenen Kind Schwierigkeiten mit sich bringt. Ich gehe davon aus, dass das Gründe hat. Allerdings bin ich keine Psychologin oder Psychotherapeutin. Ich kann – wie immer – nur von mir erzählen, meine Sicht auf die Dinge, meine Erfahrungen einbringen. Ich weiß, dass ich eine lange Zeit innerlich blockiert war und die Begegnung mit dem inneren Kind als "nicht so wichtig" abgetan habe. Zeitweilig habe ich das Ganze auch belächelt. Und das war völlig in Ordnung so. Denn heute weiß ich, dass ich zu diesen Zeitpunkten den Schmerz nicht ertragen hätte, der mit der Inneren-Kind-Arbeit losgelöst worden wäre. Ich musste mich Schritt für Schritt an meine blockierenden Glaubenssätze herantasten. Ich war erst soweit, als ich spürte, dass sich diese Art der Selbsttherapie für mich sinnig anfühlt. Erst dann konnte ich mich auf Meditationen und das ganze Pipapo einlassen.


Emotionalkörper-Therapie als Hilfestellung im Hier und Jetzt.

Eine Methode, die mich damals auf den richtigen Weg geführt hatte, war die Emotionalkörper-Therapie, auf die ich durch Zufall gestoßen bin. Auf der offiziellen Website https://www.emotionalkoerpertherapie.de findest du mehr darüber. Letztlich geht es hier um die Annahme deiner Gefühle, also auch deiner Ängste. In vier Schritten schaffst du es, dich zu erden und zurück auf eine emotionale Ebene zu kommen, die dich durchatmen lässt.


Hierfür benötigst du Raum ganz für dich. Du solltest ungestört sein, gemütlich sitzen oder liegen und dich auf deinen Atem konzentrieren , um entspannen zu können. Wenn du im Hier und Jetzt angekommen bist, konzentrierst du dich auf das Gefühl, das dich bedroht. Du lässt es zu.


Keine Angst, das Gefühl wird dich nicht umbringen. Du kannst es spüren, ohne daran zugrunde zu gehen.


Du spürst es im Körper. Wo sitzt es? Wie fühlt es sich an? Hat es eine Farbe? Hat es ein Aussehen?


Wenn du dies für dich benennen kannst, fängst du an, mit deinem Gefühl, in diesem Fall der Angst, zu sprechen. Hierfür gehst du in 4 Schritten vor:


1. Spüren:

"Liebes Gefühl der Angst, ich spüre und begrüße dich."


2. Dankbarkeit:

"Liebes Gefühl der Angst, ich danke dir, dass du dich mir zeigst."


3. Akzeptanz:

"Liebes Gefühl der Angst, ich nehme dich (in Liebe) an."

(Wenn Liebe ein zu großes Wort für dich ist, kannst du es auch einfach weglassen.)


4. Handeln:

"Liebes Gefühl der Angst, was kann ich für dich tun?"


Lasse jetzt alle Antworten kommen. Wiederhole diese Schritte auch gerne immer wieder, bis eine Antwort kommt. Glaube mir, es wird der Fall sein.


Die Angst als Teil von dir, der dich schützen möchte.

Was passiert genau, wenn du diesen Weg wählst? Du darfst wissen, dass die Angst zu dir gehört. Sie ist das Resultat aus all dem, was du in deinem Leben erlebt hast. Sie ist bei dir, weil sie dich schützen möchte. Heißt: Sie sorgt dafür, dass du dich zurückziehst, dass du vor der Situation "wegläufst", so dass dir nicht noch mehr Schlimmes widerfahren kann. Leider blockiert uns diese Angst aber auch, wenn sie übermächtig wird. Nehmen wir sie (in Liebe) an und akzeptieren sie, dann bekommen wir die Möglichkeit, mit ihr zu kommunizieren. Letztlich ist das nichts anderes als die Kommunikation mit dem inneren Kind. Sie sagt uns, was sie sich wünscht – und wir können als Erwachsene entscheiden, wie wir ihr genau das geben können, ohne uns blind von ihr steuern zu lassen.


Es gibt sicherlich viele andere Methoden wie zum Beispiel angeleitete Meditationen (Youtube!) oder die EFT, die Emotional Freedom Technique, eine Klopftherapie in Kombination mit der Kommunikation mit dem Gefühl. Wenn du danach googlest, findest du mehrere Seiten, die sehr gut informieren. Für mich war allerdings die Emotionalkörper-Therapie die einfachste, komfortabelste und vor allem am besten in den Alltag zu integrierende Maßnahme. Ich wende sie heute noch immer wieder an, egal, wo ich bin. Ich brauche den Rückzug nicht mehr und komme in Kontakt mit mir selbst, ohne dabei Gefahr zu laufen, dass ich für verrückt gehalten werde. Schließlich ist es letztlich ja "nur" ein innerer Monolog.


Sei lieb zu dir!

Wie auch immer du mit deinen Ängsten umzugehen lernst, verstehe, dass es Zeiten gibt, in denen sie einfach da sind und Oberhand gewinnen. Dass es völlig in Ordnung ist, wenn du mal nicht die Zügel in der Hand hältst. Vielleicht sieht das ja morgen schon ganz anders aus. Ein großer Erfolg ist schon, wenn du dir bewusst machen kannst, dass die Angst gerade wieder einmal das Ruder übernommen hat. Sei lieb zu dir. Gräme dich nicht, wenn du es nicht sofort schaffst, das Ruder rumzureißen. Manchmal braucht es ein paar Tage. Oder es braucht ein offenes, ehrliches Gespräch mit Menschen, die dich sehen und verstehen. Vertraue dich ihnen an, du kannst nur gewinnen. Ein Perspektivwechsel wirkt oft wahre Wunder. Nimm' Hilfe an und mute dich denen vollumfänglich zu, die dich lieben. Sie werden sich freuen, dir beistehen zu dürfen.


Ein letzter, ganz einfacher Tipp: Lächle! Lächle, sobald das Gefühl kommt. Lächle und denke dir "Es ist o.k., dass du da bist. Ich bin es aber auch noch – und ich lächle."


Denke daran, dass du eine kleine Knospe bist, die langsam, ganz langsam anfängt, zu erblühen. Von außen ist dieses Wachstum nicht wahrnehmbar. Und doch steht diese Knospe irgendwann in voller Blüte. Der Frühling ist in dir. Spürst du ihn? Hab' Vertrauen in deinen Weg. Das Selbstvertrauen kommt dann von ganz alleine – Frühling für Frühling …


Pass' auf dich auf!